POLNISCHE PRESSESCHAU 25.08.2022

Hat die Oder außerdem ganze Periodensystem noch H2O  Onet.pl 25.08.2022

Fische haben keinen Sauerstoff. Wie Jacek Harłukowicz und Paweł Pawlik von Onet herausfanden, wurden lange vor dem großen Fischsterben in den Nebenflüssen der Oder, insbesondere im Gleiwitzer Kanal und im Fluss Kłodnica, Stickstoff-, Chlorid, Natrium-, Kalium, Eisen-, Sulfat und Quecksilbergehalte festgestellt, die über allen Normen lagen. Dies ist auf die unkontrollierte Einleitung von Abwässern aus nahe gelegenen Fabriken zurückzuführen.

Die gleichen Verdächtigen. Seit Tagen werden Verdachtsmomente gegen die Panzerfabrik Bumar-Labędy am Gleiwitzer Kanal und gegen Bergwerke geäußert, die „hellbraun gefärbte“ Abwässer in den Fluss Kłodnica einleiten. Harłukowicz und Pawlik erhielten von der Kattowitzer Inspektion für Umweltschutz eine Bestätigung dieser Verdachtsmomente. Wody Polskie und die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führt, geben keine Auskunft. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Art Staatsgeheimnis.

Vor einer Woche haben wir in Onet darüber berichtet, dass eines der Unternehmen, die für einen Beitrag zu dem Projekt in Frage kommen (aber nicht müssen), das Unternehmen „Bumar-Labędy“ aus Gliwice ist. Nach den Informationen, die uns das Unternehmen seinerzeit zur Verfügung gestellt hat, wurde „Ende Juli“ – und damit lange bevor die Frage der Vergiftung des Flusses landesweit bekannt wurde – nach Hinweisen auf eine mögliche Verschmutzung des Gleiwitzer Kanals, der mit der Oder verbunden ist, durch Bumar von Beamten der Woiwodschaftsinspektion für Umweltschutz in Kattowitz inspiziert.

Dies geschah am 28. Juli, also zwei Wochen bevor die Sache ruchbar wurde. Am 3. August hat Magda Gosk, die stellvertretende Chefin der Oberinspektion für Umweltschutz die Woiwoden von Oberschlesien, Oppeln und Niederschlesien benachrichtigt.

Darin schreibt Gosk von „Informationen, die der Hauptinspektion für Umweltschutz über tote Fische im Kanal von Gliwice (Woiwodschaft Schlesien) und an der Oder in der Woiwodschaft Oppeln sowie auf der Höhe der Stadt Oława in Niederschlesien vorgelegt wurden“. Außerdem werden die Regierungsvertreter vor Ort angewiesen, „diese Angelegenheit unter besondere Beobachtung zu stellen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Ursachen des Vorfalls zu klären und den Verursacher einer möglichen Wasserverschmutzung zu ermitteln“.

Am 18. Juli erhielt die WIOŚ (Hauptinspektion für Umweltschutz) eine Mitteilung von der regionalen Wasserwirtschaftsbehörde in Gliwice. Darin wird erwähnt, dass „etwa ein Dutzend toter Fische und kleine Mengen ölähnlicher Substanzen“ am dort gefunden wurden.

Bereits am 24. März gingen bei der städtischen Feuerwehrzentrale in Gliwice und bei der staatlichen Wasserwirtschaftsbehörde Wody Polskie Meldungen über Ölflecken im Kanal ein. Dennoch gelingt es dem WIOŚ nicht, das Vorhandensein der Substanz im Kanal zu belegen. Wie uns der GIOŚ mitteilte, hat Bumar eine Genehmigung zur Einleitung von Abwasser mit einem Stickstoffgehalt von bis zu 30 mg/l (Milligramm pro Liter). Ein Test am 18. Juli zeigte jedoch, dass dieser Parameter mit 56 mg/l fast doppelt so hoch war.

Bereits am 21. April  wurden Proben vom Pumpwerk entnommen, das in dem Gebiet um Gleiwitz ehemalige Kohlezechen entwässert. Bei einer im Pumpwerk Gliwice entnommenen Probe wurden Überschreitungen der zulässigen Konzentrationen von Natrium, Kalium und Eisen festgestellt“, berichtet Katarzyna Zielonka.

Weitere Meldungen über Verunreinigungen kamen bereits am 25. April in Gleiwitz zu tage, ….

Prof. Marcin Drąg von der Technischen Universität Wrocław sagte vor einer Woche zu Onet: „Die ersten Meldungen von Anglern Ende Juli lauteten, dass eine Welle von etwa 30 cm auf dem Fluss war. Dies würde auf eine große Menge eines Stoffes hindeuten, der das Fischsterben verursacht hat. Es könnte eine Salzmischung gewesen sein. Es könnte sich um einen Abfluss aus einem Bergwerk handeln, dessen Grubenwasser extrem salzhaltig ist. Es könnte aber auch von einem Industriebetrieb verursacht worden sein. Salze sind nicht nur Natriumchlorid, das wir vom Kochsalz kennen, sondern auch giftige Stoffe wie Kaliumcyanid.

Das entsprechenden Institut in Katowice hat im Kanal Gliwice  bei einem der durchgeführten Tests am 11. August festgestellt, dass der zulässige Quecksilbergehalt in den Gewässern um mehr als das Vierfache überschritten ist.

Eine offizielle Erklärung gibt es nicht: „Aufgrund der laufenden Verfahren von Behörden wie der Polizei und der Staatsanwaltschaft stellt Wody Polskie in Gliwice die Schlussfolgerungen nach der Inspektion nicht zur Verfügung […] Wody Polskie in Gliwice ist nicht befugt, im Namen Dritter zu sprechen.“

 

 

Lasst die Oder ein Nationalpark werden                                            Wyborcza.pl 24. 08. 2022

 

Gerade jetzt, wo die Oder schwere Schäden erlitten hat, ist ein guter Zeitpunkt, die Diskussion über die Ausweisung des Unteren Odertals als Nationalpark wieder aufzunehmen. Es wird in naher Zukunft keine bessere Gelegenheit geben.

Jeder in Polen hat schon einmal vom berühmten Białowieza-Urwald gehört. Dasselbe gilt für das Biebrza-Tal oder das Bieszczady-Gebirge. Sie sind Ikonen der polnischen Natur,

Anlässlich der Umweltkatastrophe an der Oder tauchte jedoch ein Name in den Medien auf, den einige – und es würde mich nicht wundern, wenn die meisten – wahrscheinlich zum ersten Mal gehört haben: Dolina Dolnej Odry- Das Untere Odertal. Dieses Gebiet in Westpommern erstreckt sich von Cedynia bis zur Odermündung bei Roztoka Odrzańska, dem südlichsten Teil des Stettiner Haffs.

Vögel sind die charismatischsten Bewohner des Unteren Odertals. Ungefähr 250 Arten kommen hier vor. Für viele von ihnen ist dies ein wichtiges Gebiet während ihrer saisonalen Wanderung. Hier wurden Konzentrationen von Gänsen und Kranichen von 20.000 bzw. 13.000 Individuen beobachtet. Hier lebt die weltweit bedrohte Sumpfrohrsängerin. Es gibt auch Raubvögel: Seeadler, Fischadler, Milane (Rot- und Schwarzmilan), Rohrweihen (Korn- und Wiesenweihe) und Sumpfohreulen.

Das deutsch-polnische Projekt für den Nationalpark Untere Oder  wurde Anfang der 1990er Jahre ins Leben gerufen. Es wurde auf Initiative des deutschen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, unter Beteiligung der brandenburgischen Landesbehörden und mit Zustimmung des polnischen Ministeriums für Umwelt, natürliche Ressourcen und Forstwirtschaft entwickelt. Die Hauptentwickler des Projekts waren – auf deutscher Seite – Prof. Michael Succow und – auf polnischer Seite – Prof. Mieczysław Jasnowski.

Es ist nicht zu erwarten, dass eine solche Forderung von der jetzigen Regierung aufgegriffen werden kann. Die PiS hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie keine naturverbundene Partei ist. Es ist auch nicht zu erkennen, dass sie ein großes Interesse daran hat, die Ursachen der aktuellen Katastrophe zu erklären, die sie seit langem verdächtig heruntergespielt hat. Das Problem liegt auch darin, dass die Regierung die Oder in erster Linie als einen Fluss mit industrieller und nicht mit natürlicher Bedeutung betrachtet. Sie sieht darin – um es mit den unverblümten Worten von Hannah Neumann, Europaabgeordnete der deutschen Grünen, zu sagen – „einen Verkehrsweg oder einen Abwasserkanal“.

Aber die Macht der PiS wird irgendwann zu Ende sein.

 

Eine Kloake voller Lügen

überschreibt die Polityka ihre Titelseite zum Umgang

der PiS mit der Katastrophe an der Oder

 

Der Kommentator schreibt, dass bei der Katastrophe an der Oder das ganze Land wie in ein Spiegelbild in der Ideologie und Praktiken der PiS schauen kann. Kaczyński ist der Überzeugung, dass alle Macht zentral gesteuert werden muss. So gründete er Woda Polska (Polnisches Wasser), dass mit 6.000 Beschäftigten den Wasserkopf bildet und die Kommunen kein Mitspracherecht bei dem Umgang mit den Gewässern haben. Dazu wurde durch Meinungsverschiedenheiten in der Vereinigten Rechten Wody Polskie dem Ressort Infrastruktur und nicht Klima und Umwelt zugeteilt. Dazu wurden die Inspektoren für Umweltschutz den Woiwoden unterstellt. So konnte die Oder, die durch einige Woiwodschaften fließt, den Inspektoren entkommen.

Zu diesen organisatorischen Chaos kam die ideologische Überzeugung, dass der Umweltschutz eine Form der linken Hysterie sei, die aus dem Westen kam. Polnische Flüsse sollten dagegen Wasser – Autobahnen sein. Erst jetzt scheint bemerkt zu werden, dass Dienste des Umweltschutzes nicht der Situation angepasst sind und es fehlt eine Koordinierung. Die Umweltministerin Moskwa, deren Mann Chef bei Wody Polskie ist, will jetzt dafür 250 Mill. PLN ausgeben.

Ein weiteres Problem ist die Zentralisierung der Regierung. Alles dreht sich um den Präses, für seine Satelliten geht es um Sein und Nichtsein. Diesen wird sich die Frage stellen, wer überbringt dem Präses die schlechten Nachrichten? Als er es schließlich erfuhr, gab er ihnen zu verstehen, dass es ihre Sache sei und er zu einem späteren Zeitpunkt seine Entscheidung bekannt geben wird. Also haben sie die Schuld hin und her geschoben, wer wann was erfahren, gemacht oder weiter geleitet hat.

Die Opposition und verschiedene Organisationen und Ökologen haben versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Aber sie scheiterten an dem Informationsmonopol der Regierung, der Unzuverlässigkeit der Staatsanwaltschaften, die unter dem Kuratel des Justizministers stehen. Unparteiische Beobachter haben keine Möglichkeit an Informationen zu kommen. Die Regierung wirft für die Bürger mit unverständlichen „Untersuchungsergebnissen“ um sich und verweist auf die Opposition, die auch Abwässer in Flüsse geleitet hätte, um schließlich alles für ein natürliches Ereignis zu erklären.

„In der Zwischenzeit versickert die Katastrophe langsam in der Ostsee und wir werden wahrscheinlich nie wieder etwas über ihre Ursachen erfahren. Aber ihr Verlauf und ihr Ausmaß zeigen, dass es zweifellos zu einem massiven Zusammenbruch des Systems eines Staates gekommen ist, der von einer zersetzenden, giftigen Politik zerfressen wurde“ endet der Kommentar des Chefredakteurs  Jerzy Baczyński.

 

Elżbieta Polak Woiewodin von Lebus: „Niemand hat die Menschen gewarnt. Die PiS hat den Komunen die Kompetenzen entzogen, gründete Wody Polskie und jetzt erfahren wir auf schmerzhafte Wiese, was eine Zentralisierung bewirkt.“

 

Die Oberste Kontrollkammer NIK:  „Chaos bei Wody Polskie von Grund auf. Ohne entsprechenden finanziellen Mitteln, ohne qualifizierter Mitarbeiter, ohne entsprechender Koordination bei der Übernahme der kommunalen Einrichtungen und einer nachlässigen Arbeitsweise.“

Erst einen Monat nach dem Erhalt der ersten Informationen und dem Druck durch die Medien hat von Wody Polskie P. Daca von einer Katastrophe gesprochen. Daca wurde abgesetzt und sein Stellvertreter, der auch nichts unternommen hatte, wurde sein Nachfolger!

 

Die Unfähigkeit des Staates: Prof. Janusz Zaleski, ehemaliger Woiwode von Wrocław, der das Programm Oder 2006 nach der Oderflut entwickelte: „In den 25 Jahren haben wir nicht gelernt, dass es sehr wichtig ist rechtzeitig zu warnen. Die polnische Regierung hat diesen Grundsatz jetzt einfach ignoriert. Das haben die Personen versäumt, die die entsprechenden Posten innehaben.

Mit Ironie kommentiert er die rechte Erzählungen über eine Sabotage: „Ich hatte schon erwartet, dass schließlich die Russen schuld sind. Aber wenn es eine Sabotage gewesen wäre, dann um so peinlicher für den Staat, der die Saboteure so lange gewähren ließ!“

Hier zeigt sich nach seiner Meinung und der des Politologen R. Chwedoruk der Uni Warschau der autokratische Charakter der Regierung, wo alle vorhandenen Mittel ad absurdum geführt werden, weil der Präses allein entscheidet. Aber keine Ereignisse können die Regierung vertreiben, denn sie hat das Monopol auf die Medien und nutzt sie für propagandistische Zwecke.

 

Premier lügt: Die Oder erholt sich                                                        

OKO.press 25.08.2022

 

„Wir können sehen, dass alle Arten von apokalyptischen Informationen über den Tod der Oder definitiv verfrüht waren. Ich bin sehr froh darüber, dass sich die Natur sehr schnell erholt.“ sagte Premierminister Morawiecki auf einer Pressekonferenz mit Blick auf die Oder. In Stettin (Szczecin) fehlt es dem Wasser an Sauerstoff, und die Angler fangen immer noch tote Fische.

Der Optimismus des Premierministers ist überraschend, denn gerade erst wurde entdeckt, dass die mögliche Ursache der Katastrophe Goldalgen sind, die in polnischen Flüssen bisher nicht vorkamen. Dies könnte jedoch nur eine Komponente des gesamten Problems sein. Außerdem ist immer noch nicht geklärt, wie das salzhaltige Wasser in die Oder gelangt ist und diese Pflanzen zum Wachsen gebracht hat.

„Die Oder erholt sich sicherlich nicht“, kommentiert Dr. Sebastian Szklarek, Ökohydrologe am Europäischen Regionalzentrum für Ökohydrologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Autor des Blogs World of Water. „Denn diese Organismen, die in der Oder untergegangen sind, werden nicht wie in Fantasyfilmen mit einem Fingerschnippen auftauchen. Ich vermute, dass es dem Premierminister darum ging, die Wasserindikatoren wieder in den Zustand vor der Katastrophe zu versetzen. Das Problem ist jedoch, dass beispielsweise die Leitfähigkeitsindikatoren bereits vor der Katastrophe überschritten waren, so dass die Algen eine Chance hatten zu wachsen. Ich wiederhole: Es handelt sich nicht um eine Erholung und schon gar nicht um eine Rückkehr zu einem natürlichen Zustand“, erklärt er.

 

PiS nicht in der Lage einen effektiven Staat zu schaffen                     

Przegląd, 22. 08. 2022

 

Die Vergiftung der Oder ist eine große ökologische Katastrophe! Dies ist wichtig klar zu stellen. Wer allerdings dem Staatsfernsehen TVP Info glaubt, wird der Auffassung sein, dass es sich um eine Kleinigkeit handelt, ein paar Fische tot – na und?

Fakt ist auch, dass Kaczyński kraft und saftlos ist. Er versuchte zwar den Deutschen die Schuld zuzuschieben, aber sein Narrativ verfing nicht.

Wie ist es des weiteren möglich, dass die Oder über Wochen im Sterben lag, dutzende Tonnen toter Fische geborgen wurden und all PiS Leute, die die Verantwortlichen auf allen Ämtern und  Ebenen sind, taten so, als ob nichts zu sagen wäre, außer den üblichen Verdächtigen die Opposition, Tusk, die Deutschen an Pranger zu stellen. TVP Info: „Tusk hat zusammen mit den Deutschen die Oder vergiftet, um die PiS Regierung zu stürzen!“ Nun könnte es ja sein, dass die Oder aufwärts fließt…

Aber ein Staat kann nicht auf der Grundlage von Kumpeln, Bekannten und Verwandten aufgebaut werden. Übrigens der Schwiegervater des Ministers für Staatsvermögen betont, dass er in seiner Position nicht als Verwandter benannt werden darf. Schließlich sei er als Schwiegervater ja nicht blutsverwandt!

Ein Staat hat die PiS geschaffen, bei dem der Wille des Parteichefs über den Gesetzen steht und der nach seinem Gutdünken Ämter vergibt oder gar neue Ämter schafft.  Versager und faule Menschen werden immer Probleme bereiten. Heute ist es die Oder, morgen kommt eine neue Katastrophe, dabei ertönt wieder das Geschrei, dass Feinde Polens diesem nur Schlechtes wünschen.


Stellungnahme zu Verstößen gegen Bestimmungen der Europäischen Grundwasserrahmenrichtlinie und des Wasserhaushaltsgesetz in Zusammenhang mit der Errichtung der Gigafactory Berlin (Reg. Nr. G07819)

Werner Klink, Geohydrologe, 28.11.2021

Seit Herrn Musk’s Ankündigung vom 12.11.2019 in Freienbrink eine Gigafactory errichten zu wollen, wurden in 3 Etappen immer mehr ausufernde Antragsunterlagen durch Tesla eingereicht. Seit Februar 2020 wird gebaut, gebaut und gebaut und durch das LfU genehmigt, genehmigt und genehmigt. Mittlerweile wurden durch das Umweltamt  unter fragwürdiger Auslegung des §8a BImSchG 19 willkürliche vorzeitige Bauzulassungen einschließlich einiger A- und B-Varianten erteilt:

  1. trotz ungültigem Bebauungsplan und Flächennutzungsplan.
  2. trotz Fehlens eines aktuellen Raumordnungsplanes
  3. ohne Klärung der Infrastruktur und der Verkehrsanbindung an die Umgebung
  4. ohne Klärung der Versorgungssicherheit der Gigafaktory mit Energie (Gas und Strom) und Wasser
  5. ohne Klärung der Entsorgungssicherheit der Abprodukte (Abgas, Abwasser und feste Abfallstoffe)
  6. ohne Klärung der Betriebssicherheit (mangelhafte Störfallkonzeption, unzureichende Frühwarnsysteme für den Luftraum und das Grundwasser).

Als besonders schweren Verstoß gegen die Baugesetzgebung ist die mangelhafte Erkundung des Untergrundes zu werten. Unzureichende Aufschlussdichte, -tiefe und -umfang sowie ein unzulängliches Untersuchungsprogramm gestatten nicht, wie erforderlich die geologischen und hydrogeologischen Lagerungsverhältnissen hinreichend genau einzuschätzen. Diese Feststellung basiert auf dem Studium folgender Antragsunterlagen:

  1. Geotechnische Standortcharakterisierung, Gigafactory Brandenburg Phase 1 vom 26.02.2020
  2. Hydrogeologische Studie – Tiefgründung – 1. Ergänzung Bericht | Brandenburg, Deutsch- land 362-19-026-02 02_DE | 15 May 2020 Endbericht Tesla Motors
  3. Monitoring Konzept Bericht | Brandenburg, Germany 362-19-026-02 [02] | 19 May 2020 Endbericht Tesla Motors
  4. Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie Vorabversion | Brandenburg, Germany 362-19-026-xx [00] | 24 June 2020 Vorabversion Tesla Motors
  5. Hydrogeologische Studie – Berechnung der Fördermengen und der Auswirkungen der Wasserhaltungen für die geplante TeslaGigafactory am Standort Grünheide Bericht | Brandenburg, Deutschland 362-19-026-10 01_DE | 24 June 2020 Bericht Tesla Motors
  6. Tesla Manufacturing Brandenburg SE – GIGAFACTORY BERLIN-BRANDENBURG Antrag auf wasserrechtliche Erlaubnis gemäß § 8 WHG für die Durchführung lokaler Wasserspiegelabsenkungen und Grundwasserreinfiltration zur Errichtung von Gebäudefun- damenten und die Einbringung unterirdischer Versorgungsleitungen vom 24.06.2020 Berlin
  7. Nullbeprobung W-S-E Messstellen Bericht | Brandenburg, Germany 362-19-026-11 [00] | 25 June 2020 Endbericht Tesla Motors
  8. Hydrogeologisches Gutachten zur Bewirtschaftung des Niederschlagswassers, 21.12.2020
  9. Tesla Gigafactory 4, Planung Regenwasserableitung, Antrag auf Wasserrechtliche Erlaubnis §§ 8, 9 und 10 WHG, April 2021

Das in den  obigen geologisch/hydrogelogisch betitelten Schriften der Antragsunterlagen dargestellte Modell vom Aufbau des Untergrunds entspringt anscheinend den Fantasievorstellungen der Autoren.denn auf der Basis von

  • 2 Altbohrungen,
  • 10 flachen, größtenteils oberhalb des Wasserspiegels endenden Rammkernsondierungen aus dem Jahr 2001,
  • 10 flachen, <10 m tiefen neueren Messstellenbohrungen von 2020
  • 20 flachen, meist nur 10 m tiefen neueren Rammkernsondierungen und
  • einer unbestimmten Anzahl unvollständig dokumentierter, maximal 20 m tief reichender Drucksondierungen, die offensichtlich nicht hydrogeologisch ausgewertet wurden

die auf dem betrachtenden Gelände gelegen sind und unter Einbeziehung einiger Altbohrungen aus der Nachbarschaft des Tesla-Geländes ist es nicht möglich, für eine 3 km² große Fläche ein hinreichend sicheres hydrogeologisches Modell zu erstellen, zumal auf Grund von Dokumentationsmängeln nicht zu erkennen ist, welche primären Erkundungsdaten wirklich berücksichtigt wurden. Aus fachlicher Sicht stellt das Unterlassen von aktuellen  hydraulischen und hydrodynamischen Untersuchungen in einem ausreichend  dichten Netz von noch neu zu errichtenden Grundwassermessstellen unter Einbeziehung von im Randbereich des Baugeländes bereits vorhanden Grundwassermessstellen eine schwerwiegende Verfehlung dar. Die durch die Berichtsautoren abgeleiteten Strömungsvorgänge des Grundwassers beruhen auf überalterten Wasserspiegelbeobachtungen aus der Nachbarschaft und auf ungeklärten Lagergerungsverhältnissen im Untergrund des Teslageländes. Auf Grund unzureichender Voruntersuchungen sind im Bereich der zu betrachtenden Fläche weder Mächtigkeit noch Homogenität des postulierten, oberen unbedeckten Grundwasserleiters und auch nicht der angeblich in ca. 20 m Tiefe lückenlos verbreitete Grundwasserstauer nachgewiesen. Die hydrogeologischen Lagerungsverhältnisse unterhalb von 20 m und deren mögliche hydraulische Wechselwirkung mit oberflächennahen Grundwasserleitern werden in Teslas Antertragsunterlagen überhaupt nicht betrachtet. Die bestehende Gefahr von Salzwasseraufstiegen wird total ignoriert. Tesla weigert sich, sein Gelände wie erforderlich  flächenhaft zu untersuchen. Auch eine Erkundungserweiterung des Untergrundes in die Tiefe lehnt der Konzern kategorisch ab. Völlig unverständlich ist, dass das LfU diesen Standpunkt akzeptiert. Damit haben sämtliche Aussagen zu tatsächlich im Untergrund ablaufenden Fließvorgängen nur spekulativen Charakter. Auf Grund des unzureichenden hydrogeologischen  Kenntnisstandes sind keine belastbaren Prognosen zu den von der Gigafactory ausgehenden Auswirkungen möglich. Ausbreitungsgeschwindigkeiten und -wege von Schadstoffen lassen sich nicht sicher vorhersagen und bei auftretenden Störfällen kann keine zielgerichte Schadensbegrenzung erfolgen. Das geplante Niederschlagsversickerungskonzept, die Durchführung sowohl von temporären als auch stationären Wasserspiegelabsenkungen und -beauflastungen sind in Frage zu stellen.

Das Verbiegen der Forderungen der Wasserschutzverordnung Erkner, Wasserfassungen Hohenbinder Straße und Neu Zittauer Straße, treibt Tesla bis zum Exzess. Der Konzern lässt sich von folgenden Verboten befreien, die alle dem Grundwasserschutz dienen sollen. Das LfU stimmt nach dem Prinzip je gefährlicher um so unbedenklicher folgenden unzulässigen Maßnahmen im Einzugsgebiet der beiden aktiven Wasserfassungen Hohenbider Straße und Neu Zittauer Straße zu:

  • Errichtung einer Abwasserbehandlungsanlage,
  • Errichtung von Grundwassermessstellen,
  • Errichtung von Brunnen zur Grundwasserhaltung,
  • Errichtung von zwei Betonmischanlagen,
  • mobile Betankung von Großmaschinen und von langsam fahrenden Baufahrzeugen,
  • Errichtung von Industrieanlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in
    großem Umfang.
  • Versickerung von belastetem Niederschlagswasser in den Sickerbecken, die in den Wasserschutzzonen errichtet werden sollen.
  • Durchführung einer normalerweise verbotenen Großveranstaltung (sogenannte Volksfest am 09.10.2021)
  • Außerdem bleiben schon während der Bauphase folgende Verstöße gegen Verbote der geltenden Wasserschutzgebietsverordnung ungeahndet:
    • Trotz Verbots wurden in der Wasserschutzzone III A und B bis zu 5.000 Löcher bis 20 m Teufe unter Missachtung existierender Erkundungsnormen und -richtlinien blind in den Untergrund  getrieben (Verpresslanzen, Entwässerungslanzen, Drucksondierungen, Rammsondierungen, Betonpfähle, 8 Grundwassermessstellen, Spundwände) und das meist ohne wie gefordert ein geologisches Schichtenverzeichnis aufzunehmen, was als höchstverwerflich einzustufen und hart zu bestrafen ist. Durch diese Maßnahmen wurden vorhandene, grundwasserschützende Schichten zerstö Die Löcher fungieren jetzt als bevorzugte Bewegungsbahnen zwischen ehemals getrennten Grundwasserleitern.
    • Außerdem erfolgte eine Verdichtung des oberen Grundwasserleiters durch über 1.600 Ramm- und Bohrpfähle, durch Setzung tiefreichender Fundamente und auch durch Realisierung tiefreichender Verdichtungsmaßnahmen von der Geländeoberfläche aus. Es ist davon auszugehen, dass dadurch die Durchlässigkeit lokal verschlechtert wird und die Strömungsverhältnisse verändert wurden. Negative Auswirkungen auf das Strömungsvorgänge im Untergrund haben auch die im Rahmen durchgeführter Wasserspiegelabsenkungen geförderten und in den Untergund wiederverpressten Wässer. Durch die im geförderten Wasser enthaltenen Feinkornanteile wird der Porenraum in den Aufnahmehorizonten zugesetzt.
    • Tesla darf ohne belangt zu werden, im Wasserschutzgebiet großflächig die schützende Bodenschicht beseitigen. Normalerweise hat Tesla sämtliches dort anfallende Niederschlagswasser aufzufangen und außerhalb der Wasserschutzzone zu entsorgen. Ein nichtfunktionierendes Ableitungsssystem und unterdimensioniertes Auffangsystem von Niederschlagswässern sowie fehlende Abflussrinnen an den Rändern von Stell-, Lager- und Parkflächen zeigen, dass von Tesla solche Auflagen einfach ignoriert werden.
    • Gemeldete Betankungsvergehen in den Wasserschutzzonen A + B der Wasserfassungen Hohenbinder und Neu Zittauer Straße von Tesla werden nicht verfolgt und demzufolge auch nicht geahndet.
    • Was machen die Baufirmen bei Staubentwicklung? Sie bewässern künstlich das in der Wasserschutzzone A + B befindliche Baugelände, damit die Schadstoffe möglichst schnell in den ungeschützten Grundwasserleiter versickern kö Damit nicht genug ,Tesla lässt wider jeglicher Vernunft, jedoch angeblich auf Forderung des Umweltamtes zusätzlich auf seinem Freigelände in Freienbrink sämtliche Fahrtrassen, Abstell- und Lagerflächen mit Wasser besprühen, das, wenn es nicht verdunstet, verunreinigt im Grundwasser landet. Bei solchen Behördenvorgaben ist die fachliche Kompetenz unserer Behörden in Frage zu stellen.
    • Baustelleneinrichtungen, Verladestationen, mobile Toilettenanlagen, das Abstellen von Kraftfahrzeugen oder das Zwischenlagern von schwebstoffhaltigen Baustoffen auf ungeschütztem Untergrund sind normalerweise aus Wasserschutzgebieten zu verdammen. Für Tesla gelten solche Vorgaben nicht. Da sieht das LfU großzügig weg.
    • Eine dritte, jedoch bisher noch nicht genehmigte Betonmischanlage wurde im Nordbereich des gegenwärtigen Baugeländes ebenfalls im Wasserschutzgebiet errichtet und dort auch betrieben.
    • Das auf den Arbeitsebenen der Baugerätschaften, auf den Fahrtrassen, auf  den Lagerflächen und auf den überbauten Flächen anfallende verschmutzte Niederschlagswasser wird größtenteils an Ort und Stelle oder an den Rändern der befestigten Flächen versickert bzw. in offene Leitungsgräben oder die vielen temporär vorhandenen Baugruben nach dem Prinzip aus dem Auge aus dem Sinn eingeleitet, wo die Sickerstrecke bis zum Grundwasserspiegel kürzer ist. Diese frevelhafte Verfahrensweise ist für Tesla zwar bauförderlich, aufwandmindernd und kostengünstig, doch die Kunden des WSE werden die Folgen in einigen Jahren zu spüren bekommen. Die Verunreinigung des Grundwassers funktioniert in der üblichenTesla-Geschwindigkeit. Außerdem spricht man über diese Dinge nicht freiwillig ö Tesla scheint nicht nur seinen Angestellten einen Maulkorb umgelegt zu haben, sondern auch den Behörden und der Politik. Diese reagieren auf meine Gefahrenanzeige nicht, sondern lassen Tesla weiter gewähren.

All die oben aufgeführten Verhaltensweisen im Wasserschutzgebiet  richten sich gegen die Bestimmungen der  Europäischen Grundwasserrahmenrichtlinie. Danach besteht ein absolutes Grundwasserverschlechterungsverbot.

 

Außerdem ist abzusehen, dass der zukünftige hohe Wasserverbrauch durch Tesla zu Lasten der Bevölkerung von Grünheide und Umgebung erfolgen soll. Da ganz Brandenburg bezüglich Wassernutzung weit über seine Verhältnisse lebt, indem mehr  Wasser verbraucht wird als neu gebildet wird, hat sich das MLUK ein Niedrigwassermanagementkonzept ausgedacht, worauf das WSE sofort reagiert. Der Wasserversorger änderte seine Geschäftsbedingungen. Darin ist unter anderem eine Wasserversorgungsrangfolge festgelegt. Der Firma Tesla wird Vorrang eingeräumt. Notwendige Wasserabschaltungen erfolgen zuerst bei der Bevölkerung.

Tesla behält das Wasser jedoch nicht für sich. Die industriebelasteten, vom geplanten Klärwerk nicht vollständig reinigbaren Abwässer sollen in die Müggelspree geleitet werden und landen dann in den flußabwärts gelegenen Wasserwerken, die teilweise infiltriertes Spreewasser fördern. Wohl bekomm`s den Menschen, deren „Trinkwasser“ aus den Wasserwerken Hohenbinder Straße oder Friedrichshagen stammt.

Dieser  Weg der Abwasserentsorgung sollte unbedingt ausgeschlossen blei