Die Pegel der Gewässer im Berliner Umland sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Teilweise fallen Bäche und Flüsse über Monate im Jahr trocken und verlanden Seen gänzlich. Die Fachleute, die unsere Wassertafel Berlin-Brandenburg unterstützen oder die aktiv in ihr mitarbeiten, haben versucht herauszufinden, ob die fehlenden Niederschläge und eine stärkere Verdunstung durch höhere Temperaturen in den letzten Jahren -wie oft behauptet- die hauptsächlichen Ursachen für die stattfindenden Veränderungen sind oder ob anthropogene (menschgemachte)  Faktoren dabei eine Rolle spielen. Die Seen in der Region Strausberg*, von denen etliche von Verlandung bedroht sind (im Bild der Strausberger Herrensee im August 2022), haben hierfür als Untersuchungsgegenstand gedient. Folgend die Analyse der Geohydrologen, bei der fachsprachliche Ausdrücke nicht gänzlich vermieden werden konnten:

1. In der Region Strausberg mit ihren mannigfachen Seen fördert der ortsansässige  Wasserverband mittels dreier Wasserwerke Trinkwasser: in den Wasserwerken Spitzmühle, Collegenberge und Eggersdorf**. Diese drei Wasserwerke entnehmen Wasser aus dem sogenannten Hauptgrundwasserleiter, welcher jedoch über hydrogeologische Fenster im Hangendgrundwasserstauer mit dem obersten Grundwasserstockwerk Verbindung hat und somit auch mit den umliegenden Seen hydraulisch kommuniziert. Die Grundwasserentnahme erzeugt jeweils einen Absenktrichter, der sich in alle Richtungen gleichmässig ausbreitet. Das Wasser der in der Nähe befindlichen Seen fliesst notgedrungen in Richtung dieser Absenktrichter, sodass deren Wasserspiegel absinkt. Im Beispiel des Herrensees (siehe Foto oben) sind zusätzlich alle ehemals an der Geländeoberfläche befindlichen Zuflüsse versiegt (siehe Foto unten), so dass seine vollständige Austrocknung in allernächster Zukunft unvermeidlich ist. 

2. Südlich des beobachteten Herrensees ist Rüdersdorf gelegen, wo seit Jahrhunderten Kalkstein abgebaut wird. Zur Sümpfung des Tagebaus werden pro Jahr aus dem Untergrund etliche Millionen Kubikmeter Wasser entnommen, das betriebsintern genutzt wird bzw. in die Vorflut abgeleitet wird. Genaue Zahlen aus Rüdersdorf sind nicht bekannt. Dadurch und auch auf Grund der Spätfolgen des früheren Tonabbaus im Bereich von Heinickendorf und Herzfelde wird die Wassersituation des Herrensees zusätzlich belastet. Auch der in der Vergangenheit natürliche Wasserspiegel im Großen Stienitzsee ist dauerhaft um ca. 2,5 – 3 m abgesenkt. Damit einhergehend stirbt auch das zwischen Herrensee und Großem Stienitzsee gelegene ehemalige Feucht- und Moorbiotop Lange-Dammwiesen, das aktuell vollkommen auszutrocknen droht.

3. In jüngerer Vergangenheit ist nördlich des Straussees durch den Golfplatz Wilkendorf weiterer Wasserbedarf entstanden, der zusätzlich zum Bergbau und den drei genannten Wasserfassungen des Wasserverbandes Strausberg-Erkner die Wassermisere in der Region verschärft.

Fazit: Das Verschwinden der Seen wie auch von Flüssen und Bächen, das Austrocknen von Mooren und Sümpfen, der Verlust der von Wasser und Feuchtigkeit abhängigen Flora und Fauna ist im Berliner Südosten nicht unvermeidlichen Naturereignissen geschuldet, sondern beruht auch auf der Rücksichtslosigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen ihre Bedürfnisse nach Trinkwasser, Wasser für die Industrie oder für den Freizeitbereich befriedigen. Die Schere zwischen Wasserdargebot und Wasserbedarf klafft hier immer weiter auseinander, und Wünsche nach zunehmender „Resilienz“ von Gewässern, nach Wasser aus anderen Regionen, nach einem „Niedrigwassermanagement“ u.a.m. seitens Ministerium und Behörden erscheinen anhand der Faktenlage hilflos.  

* Neben dem Herrensee sind auch der Straussee, Stienitzsee, Ihlandsee, Rothsee und die Lattseen betroffen. Einige der nordwestlich des Straussees gelegenen Seen existieren nicht mehr, ihre Zuflüsse sind (wie abgebildet) versiegt.

** Die Genehmigung einer erhöhten Förderung des WSE durch das Wasserwerk Eggersdorf im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Gigafactory Teslas betreffend, führen Naturschutzverbände aktuell einen Prozess. Die Verbände befürchten eine Trockenlegung der Schutzhabitate „Herrensee, Lange- Damm-Wiesen und Barnimhänge“. Die aktuellen  Inspektionen und folgende Analyse unserer Geohydrologen untermauern diese Befürchtung.