Das vergangene Jahr 2023 brachte Gesamtdeutschland und auch dem Bundesland Brandenburg ungewöhnlich heftige und langanhaltende Niederschläge. Für Brandenburg war es das niederschlagsreichste Jahr innerhalb der letzten 15 Jahre. Können wir als Wassertafel Berlin-Brandenburg, die wir in der jüngsten Vergangenheit immer vor Wasserproblemen in der Region gewarnt haben, jetzt also eine Entwarnung geben? Können die Wunschprojekte der Bürgermeister im Versorgungsbereich des Wasserverbandes Strausberg-Erkner, deren Blockade durch den WSE fast zur Abwahl seines Vorstandes geführt hat, jetzt sorglos freigegeben werden? Gibt es eine Entwarnung auch für den Zustand unserer Wälder, deren grösster Teil bisher starke Schäden aufwies? Kann in der Zukunft auf’s Wassersparen verzichtet werden? Braucht es keinen sorgsamen Umgang mit Wasser durch die  Einführung einer Kreislaufwirtschaft oder eine bessere Nutzung des Regenwassers? Muss die Elbe nicht für Brandenburg-Berlin angezapft werden? Gibt es angesichts des nassen Segens neue Antworten auf alte Fragen?  

Der Reihe nach: 

Schaut man sich die Verteilung der Bodenfeuchte in den einzelnen Bundesländern an fällt zunächst auf, dass der Ostteil Deutschlands und damit auch das Land Brandenburg insgesamt mehr mit Trockenheit und Dürre zu kämpfen hat als südlich und westlich gelegene Bundesländer. In diesem Jahr aber hat es auch bei uns überdurchschnittliche Niederschläge gegeben. Das Jahresmittel für Niederschläge von 1961 bis 1990 wurde bereits im Monat November um ca 10% überschritten (gemessen in Müncheberg, Angaben nach ntv/Wissen vom 23.11.2023). Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung belegen erwartungsgemäss, dass die Feuchtigkeit im Oberboden und damit das pflanzenverfügbare Wasser hierdurch zugenommen haben.  Gleichzeitig zeigen diese Daten jedoch, dass der Gesamtboden in unserer Region noch immer eine ungewöhnliche Trockenheit bis außergewöhnliche Dürre aufweist (siehe https://www.ufz.de/index.php?de=37937).

Die Märkische Allgemeine Zeitung vom 26.12.2023 zitiert Brandenburgs „Forstminister“ Axel Vogel (Grüne) mit der Aussage, dass der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden sich im Land Brandenburg von 8 Prozent im Vorjahr auf jetzt 25 Prozent mehr als verdreifacht habe. Die Wassertafel Berlin-Brandenburg wollte überprüfen, ob sie Anzeichen für diese Erholung erkennen kann und führte eine Begehung des Waldes im Grünheider Forst durch. Wie die unten angehängten Fotos demonstrieren, können  zumindest die Birken, die einmal um den Störitzsee oder im Löcknitztal wuchsen, von den jüngsten Niederschlägen nicht mehr profitieren. Birken gehören zwar zu den Pionierpflanzen, vertragen aber weder Staunässe, wie sie die gegenwärtigen massiven Niederschläge bringen, noch Trockenstress, der Folge der heissen Sommer des vergangenen Jahrzehnts war. Nahezu alle Birken unserer Wälder sind folglich abgestorben. Dieses Beispiel zeigt, dass es für eine Entwarnung hinsichtlich unseres Waldzustandes keinen Anlass zu geben scheint.  

Die Wassertafel Berlin-Brandenburg leitet aus den Daten des Helmholtz-Zentrums und den eigenen Beobachtungen folgende Forderungen ab: 1. Die (bereits sehr alte) Forderung von Naturschützern und Umweltverbänden, Regenwasser nicht in die Kanalisation abzuleiten, sondern vor Ort zu versickern. 2. Ein Verbot einer Versiegelung neuer Flächen, wie sie als Begleiterscheinung der Industrialisierungsträume Brandenburgs überall im Land geschieht (siehe Gigaparkplatz vor Tesla). 3. Die Forderung, bei allen Neubauprojekten, egal ob Wohnungsbau, Gewerbe oder Industrie, eine Wasserkreislaufwirtschaft zur Bedingung für deren Baugenehmigung zu erheben.  4. Sachsen-Anhalt ist eines der trockensten Bundesländer Deutschlands, das Hochwasser der Elbe existiert nur temporär. Die Wassertafel fordert daher, Pläne zu einer auch nur „vorübergehenden“ Wasserumleitung aus der Elbe in die Spree zu verwerfen.     

Fotos von links oben nach rechts unten: die Spreeauen am 28.12.2023, verbesserter Wasserpegel des Störitzsees in Grünheide, vertrocknete und umgestürzte Birken im Grünheider Forst, Hochwasser in der Alten Elbe in Magdeburg am 25.12.2023 und Niedrigwasser am 13.10.2023.