Die Wassertafel stellt sich Fragen von Journalisten

Seit ihrer Gründung wird die Wassertafel Berlin-Brandenburg von Journalisten des In- und Auslandes befragt, wieso sie in Tesla einen  Gefährder für das Trinkwasser der Berliner und Brandenburger sieht. Wir klären dann darüber auf, mit welch hochtoxischen Stoffen in einer Batteriefabrik hantiert wird und wie stark diese das Grundwasser, welches sich nur sehr wenige Meter unter dem Werksgelände befindet, schädigen können. Zudem weisen wir darauf hin, dass Tesla die starken Wassermangelprobleme, die unsere Region kennzeichnen, verschärfen wird.

Heute, am 26.10.2022, waren wir mit einer Dokumentarfotografin, die u.a. für das National Public Radio*** arbeitet, im Naturschutzgebiet Löcknitztal, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft Teslas befindet. Das Löcknitztal bietet eine für den Nordosten Deutschlands einmalige Landschaft und stand schon vor der Wiedervereinigung Deutschlands unter strengem Naturschutz. Wir zeigten der Fotografin die gefährdeten Sümpfe und Moore und machten sie auf Bäume, besonders Birken, aufmerksam, die schon heute wegen der anhaltenden Trockenheit abgestorben sind.  

*** Die Sendung des National Public Radio, welches in den USA bekannt und geschätzt ist, ist im Internet abzurufen unter: https://www.npr.org/2022/11/03/1131695382/tesla-ev-electric-vehicles-europe-germany-drought-climate-change-factory

 

   


Geohydrologen der Wassertafel geben eine Einschätzung

Die Pegel der Gewässer im Berliner Umland sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Teilweise fallen Bäche und Flüsse über Monate im Jahr trocken und verlanden Seen gänzlich. Die Fachleute, die unsere Wassertafel Berlin-Brandenburg unterstützen oder die aktiv in ihr mitarbeiten, haben versucht herauszufinden, ob die fehlenden Niederschläge und eine stärkere Verdunstung durch höhere Temperaturen in den letzten Jahren -wie oft behauptet- die hauptsächlichen Ursachen für die stattfindenden Veränderungen sind oder ob anthropogene (menschgemachte)  Faktoren dabei eine Rolle spielen. Die Seen in der Region Strausberg*, von denen etliche von Verlandung bedroht sind (im Bild der Strausberger Herrensee im August 2022), haben hierfür als Untersuchungsgegenstand gedient. Folgend die Analyse der Geohydrologen, bei der fachsprachliche Ausdrücke nicht gänzlich vermieden werden konnten:

1. In der Region Strausberg mit ihren mannigfachen Seen fördert der ortsansässige  Wasserverband mittels dreier Wasserwerke Trinkwasser: in den Wasserwerken Spitzmühle, Collegenberge und Eggersdorf**. Diese drei Wasserwerke entnehmen Wasser aus dem sogenannten Hauptgrundwasserleiter, welcher jedoch über hydrogeologische Fenster im Hangendgrundwasserstauer mit dem obersten Grundwasserstockwerk Verbindung hat und somit auch mit den umliegenden Seen hydraulisch kommuniziert. Die Grundwasserentnahme erzeugt jeweils einen Absenktrichter, der sich in alle Richtungen gleichmässig ausbreitet. Das Wasser der in der Nähe befindlichen Seen fliesst notgedrungen in Richtung dieser Absenktrichter, sodass deren Wasserspiegel absinkt. Im Beispiel des Herrensees (siehe Foto oben) sind zusätzlich alle ehemals an der Geländeoberfläche befindlichen Zuflüsse versiegt (siehe Foto unten), so dass seine vollständige Austrocknung in allernächster Zukunft unvermeidlich ist. 

2. Südlich des beobachteten Herrensees ist Rüdersdorf gelegen, wo seit Jahrhunderten Kalkstein abgebaut wird. Zur Sümpfung des Tagebaus werden pro Jahr aus dem Untergrund etliche Millionen Kubikmeter Wasser entnommen, das betriebsintern genutzt wird bzw. in die Vorflut abgeleitet wird. Genaue Zahlen aus Rüdersdorf sind nicht bekannt. Dadurch und auch auf Grund der Spätfolgen des früheren Tonabbaus im Bereich von Heinickendorf und Herzfelde wird die Wassersituation des Herrensees zusätzlich belastet. Auch der in der Vergangenheit natürliche Wasserspiegel im Großen Stienitzsee ist dauerhaft um ca. 2,5 – 3 m abgesenkt. Damit einhergehend stirbt auch das zwischen Herrensee und Großem Stienitzsee gelegene ehemalige Feucht- und Moorbiotop Lange-Dammwiesen, das aktuell vollkommen auszutrocknen droht.

3. In jüngerer Vergangenheit ist nördlich des Straussees durch den Golfplatz Wilkendorf weiterer Wasserbedarf entstanden, der zusätzlich zum Bergbau und den drei genannten Wasserfassungen des Wasserverbandes Strausberg-Erkner die Wassermisere in der Region verschärft.

Fazit: Das Verschwinden der Seen wie auch von Flüssen und Bächen, das Austrocknen von Mooren und Sümpfen, der Verlust der von Wasser und Feuchtigkeit abhängigen Flora und Fauna ist im Berliner Südosten nicht unvermeidlichen Naturereignissen geschuldet, sondern beruht auch auf der Rücksichtslosigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen ihre Bedürfnisse nach Trinkwasser, Wasser für die Industrie oder für den Freizeitbereich befriedigen. Die Schere zwischen Wasserdargebot und Wasserbedarf klafft hier immer weiter auseinander, und Wünsche nach zunehmender „Resilienz“ von Gewässern, nach Wasser aus anderen Regionen, nach einem „Niedrigwassermanagement“ u.a.m. seitens Ministerium und Behörden erscheinen anhand der Faktenlage hilflos.  

* Neben dem Herrensee (Titelfoto) sind auch der Straussee, der Stienitzsee, der Ihlandsee, der Rothsee und die Lattseen betroffen. Einige der nordwestlich des Straussees gelegenen Seen existieren nicht mehr, ihre Zuflüsse sind versiegt. Die Bilder zeigen der Reihenfolge nach: 1. den Zufluss vom Herrensee, 2. den Pegelstand des Straussees und 3. den Straussee mit Pegel und Überlauf zum trocken liegenden Annatal – Stienitzsee (Aufnahmen 2019-2022).

** Die Genehmigung einer erhöhten Förderung des WSE durch das Wasserwerk Eggersdorf im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Gigafactory Teslas betreffend, führen Naturschutzverbände aktuell einen Prozess. Die Verbände befürchten eine Trockenlegung der Schutzhabitate „Herrensee, Lange- Damm-Wiesen und Barnimhänge“. Die aktuellen  Inspektionen und folgende Analyse unserer Geohydrologen untermauern diese Befürchtung. 


Die Wassertafel unterstützt Unterschriftensammlung

Der Autofabrikant Tesla hat im Südosten Berlins für den Bau seiner Gigafabrik hunderte Hektar Wald fällen lassen. Das ganze Ausmass des Waldfrevels wird deutlich, wenn man das Areal überfliegt. Gegnern der Gigafactory ist unklar, warum für den angeblichen Klimaretter E-Auto ein riesiges Loch in „Berlins grüne Lunge“ gerissen werden musste. Im Gegensatz zu der in einer Endlosschleife wiederholten Behauptung, dass es sich bei dem Areal um einen „Kiefernstangenwald“ handelt, stehen die Artenprotokolle, die Naturschützer angefertigt haben (siehe angefügte Tabelle). 

Momentan beansprucht Tesla weitere 170 ha Wald, in welchem unter anderem Methusalemkiefern stehen und in dem seit 30 Jahren ein Umbau zum Mischwald erfolgt. Unter https://innn.it/KeineTeslaerweiterung könnt Ihr mit Eurer Unterschrift zum Erhalt dieses Waldes beitragen. 

Artenliste: 

Waldbegehung der Waldfläche für die vorgesehene Teslaerweiterung

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name FFH-Art Rote Liste Deutschland Rote Liste Brandenburg
Tierarten (gesichtet am 07.05.2022)
Rote Waldameise (3 Haufen) Formica rufa V
Feldhase Lepus europaeus 3 2
Zauneidechse Lacerta agilis IV 3 3
Ringelnatter Natrix natrix 3 3
2 Ringeltauben Columba palumbus
Zitronenfalter Gonepteryx rhamni
2 Blindschleichen Anguis fragilis
Verholzte Pflanzenarten (gesichtet am 07.05.2022)
Flatter-Ulme Ulmus laevis V
Alpen-Johannisbeere Ribes alpinum D
Kreuzdorn Rhamnus cathartica V
Wacholder  Juniperus communis V 3
Winter-Linde Tilia cordata D
Wild-Apfel Malus sylvestris G
Sommer-Linde Tilia platyphyllos D
Berberitze Berberis vulgaris D
Pfaffenhütchen Euonymus europaeus
Gemeiner Flieder Syringa vulgaris
Rot-Buche Fagus sylvatica
Spitz-Ahorn Acer platanoides
Douglasie Pseudotsuga menziesii
Schwarzer Holunder Sambucus nigra
Gemeine Hainbuche Carpinus betulus
Robinie Robinia pseudoacacia
Gemeine Birke Betula pendula
Stiel-Eiche Quercus robur
Schneebeere Symphoricarpus albus
Spätblühende Traubenkirsche Prunus serotina
Brombeere Rubus spec.
Himbeere Rubus idaeus
Gemeine Kiefer  (auch Methusalem-Kiefern im Gebiet) Pinus sylvestris
Eberesche Sorbus aucuparia
Salweide Salix caprea
Eingriffliger Weißdorn Crataegus monogyna
Besen-Heide Calluna vulgaris
Efeu Hedera helix
Europäische Lärche Larix decidua
Faulbaum Rhamnus frangula
Rot-Eiche Quercus rubra
Blut-Buche Fagus sylvatica f. purpurea
Besenginster Cytisus scoparius
Fiederspiere Sorbaria sorbifolia
Kirschpflaume Prunus cerasifera
Balsam-Pappeln Populus balsamifera
Rote Johannisbeere Ribes rubrum
Wild-Birne Pyrus pyraster
Feuerdorn Pyracantha coccinea
Schlehe Prunus spinosa
Wilder Hopfen Humulus lupulus
Blut-Johannisbeere Ribes sanguineum
Gewöhnliche Rosskastanie Aesculus hippocastanum
Nichtholzige Pflanzenarten (gesichtet am 07.05.2022)
Buschwindröschen Anemone nemorosa
Maiglöckchen Convallaria majalis
Adlerfarn Pteridium aquilinum
Genfer Günsel Ajuga genevensis V V
Astlose Graslilie Anthericum liliago V 3
Gemeine Akelei Aquilegia vulgaris V
Margarite Leucanthemum vulgare G
Bärenschote Astragalus glycyphyllos
Gold-Hahnenfuß Ranunculus auricomus 3
Knoblauchsrauke Alliaria petiolata
Echte Nelkenwurz Geum urbanum
Große Brennnessel Urtica dioica
Löwenzahn Taraxacum spec.
Kanadische Goldrute Solidago canadensis
Sauerampfer Rumex acetosa
Gewöhnliche Vogelmiere Stellaria media
Breit-Wegerich Plantago major
Wiesen-Labkraut Galium mollugo
Gamander-Ehrenpreis Veronica chamaedrys
Stinkender Storchschnabel Geranium robertianum
Wald-Moose (diverse)
Draht-Schmiele Deschampsia flexuosa
Kompass-Lattich Lactuca serriola
Rasenschmiele Deschampsia cespitosa
Zypressen-Wolfsmilch Euphorbia cyparissias
Heidelbeere Vaccinium myrtillus
Preiselbeere Vaccinium vitis-idaea
Hain-Veilchen Viola riviniana
Gewöhnliches Greiskraut Senecio vulgaris
Gewöhnliches Seifenkraut Saponaria officinalis
Schmalblättrige Wicke Vicia angustifolia
Kriechender Günsel Ajuga reptans
Echtes Johanniskraut Hypericum perforatum
Wald-Erdbeere Fragaria vesca
Gewöhnliches Ruchgras Anthoxanthum odoratum
Sand-Schaumkresse Arabidopsis arenosa
Rainfarn Tanacetum vulgare
Gewöhnliche Königskerze Verbascum phlomoides
Mausohr-Habichtskraut Hieracium pilosella
Knotige Braunwurz Scrophularia nodosa
Mauerpfeffer Sedum acre
Blutwurz Potentilla erecta
Gemeine Ochsenzunge Anchusa officinalis
Weißklee Trifolium repens
Spitzwegerich Plantago lanceolata
Nordisches Labkraut Galium boreale
Große Klette Arctium lappa
Gänseblümchen Bellis perennis
Feld-Klee Trifolium campestre
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum
Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
Gemeiner Beifuß Artemisia vulgaris
Gewöhnliches Ferkelkraut Hypochaeris radicata
Gemeine Schafgarbe Achillea millefolium
Gemeiner Dost Origanum vulgare
Wilde Möhre Daucus carota
Echter Wurmfarn Dryopteris filix-mas
Gundermann Glechoma hederacea
Schöllkraut Chelidonium majus
Weiße Lichtnelke Silene latifolia
Großes Immergrün Vinca major


Partner der Wassertafel: Konferenz des Berliner Wasserrats

Der Berliner Wasserrat kümmert sich seit seiner Gründung im Jahre 2013 darum, dass es dem Berliner Wasser besser geht. Nach der erreichten Rekommunalisierung der zuvor teilprivatisierten Berliner Wasserbetriebe bemüht er sich darum, dass das Geld, dass mit dem Berliner Wasser verdient wird, diesem zumindest zum Teil wieder zugute kommt und nicht nur in den Senatshaushalt und in Vorstandsgehälter fliesst. Wichtige Themen des Berliner Wasserrats sind die Nutzung von Regenwasser und die Bewässerung von Stadtgrün. Am 06.09.2022 fand im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte zu diesem Thema eine Konferenz mit dem Titel „Regen zum Baum!“ statt, an der neben engagierten Bürgern auch Vertreter aus Politik, Behörden, Verwaltung und Wissenschaft teilnahmen.    

REGEN-ZU-BAUM- KONFERENZ:  BERLINER WASSERRAT FORDERT UMSETZUNG EINER DEZENTRALEN REGENWASSERBEWIRTSCHAFTUNG IN DEN STADTQUARTIEREN

Pressemitteilung Berliner Wassertisch, Berlin 14.09.2022  

Eine Film-Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie auf Youtube:  https://www.youtube.com/watch?v=oMDugcCRhJ0

Am 6. September fand im Haus der Demokratie und Menschenrechte unter dem Titel »Regen zum Baum!« eine Konferenz des BERLINER WASSERRATES zur Umsetzung der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in Berlins Bestandsquartieren statt. An ihr nahmen über 90 Personen teil. Unter ihnen befanden sich Zuständige aus den Bezirksämtern, Vertreter der Berliner Wasserbetriebe, von Wohnungsgesellschaften, Initiativen, Mieter-, Quartiers- und Nachbarschaftsräten, von den 4 Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses sowie aus der Senatsverwaltung und den Bezirksverordnetenversammlungen. Ein Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes Stuttgart, eine Wissenschaftlerin der Hochschule Mülheim/Ruhr, sowie eine Journalistin aus Kaiserslautern nahmen ebenfalls teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Philipp Sattler (Ing.-Landschaftsarchitekt, Stiftung ‚Die grüne Stadt‘) der die ganze Bandbreite der im Publikum vertretenen Kompetenzen für die Diskussion fruchtbar werden liess.

Agrarökonom Dr. Hermann Wollner erläuterte in einem Vortrag sein Konzept einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Das Konzept sieht vor, das Regenwasser von den Dächern der Häuser direkt den Bäumen vor und hinter den Häusern zuzuleiten. Die finanziellen Mittel dafür seien vorhanden, so Wollner, sie seien nur falsch verteilt. In präzisen Analysen, die auf den von den Umweltämtern herausgegebenen statistischen Daten beruhten, lieferte Dr. Wollner zahlreiche quantitative Belege dafür, dass sich sein Konzept ‚rechnet‘, sogar wirtschaftlich vorteilhafter ist als die bisher verwendeten oder geplanten Verfahrensweisen.  „Bäume mit der Gießkanne bewässern, spart kein Wasser, sondern erhöht nur die Wasserrechnung der Bürger. Bäume mit dem Sprengwagen bewässern, die aus der Trinkwasserleitung befüllt werden, senkt den Grundwasserspiegel. Was wir demgegenüber brauchen, ist eine professionelle, dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, bei der das Regenwasser direkt zu den Bäumen geleitet wird.“ Wichtig: Nach Auffassung von Dr. Wollner darf das Regenwasser nicht nur als „Abwasser“ oder Niederschlag in die Gesetze eingehen, sondern muss als Ressource aufgenommen werden, damit das Konzept umgesetzt werden kann.

Dr. Benedikt Lux, Jurist und umwelt- und haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus war ebenfalls als Referent geladen und beleuchtete spezielle juristische und politische Aspekte, wie die Novellierungsvorschläge im Berliner Wassergesetz und der Bauordnung Berlin sowie die Synchronisation von „Masterplan Wasser“ und „Charta Stadtgrün“, von Schwammstadt und Entsiegelung. Seine Darlegungen waren im Kern kompatibel mit den Analysen und Vorstellungen von Dr. Wollner. Insbesondere sah Dr. Lux ebenfalls die rechtliche Möglichkeit, das Regenwasser als Ressource ins Gesetz aufzunehmen.

Am Schluss der Veranstaltung legte Karl Goebler, Ökonom und Mitbegründer des Berliner Wasserrats, in seinem Kurzvortrag dar, dass und inwiefern die Mitwirkung von Bürgerräten an politischen Entscheidungsprozessen nicht nur eine bessere Legitimationsbasis schafft, sondern, richtig eingesetzt, auch eine höhere sachliche Qualität von Entscheidungen erwarten lässt. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass solchen Gremien bestimmte Rechte zuerkannt würden. Der Wasserrat sei von seiner Geschichte und seiner thematischen Ausrichtung her besonders geeignet, um neue Formen der Beteiligung und des Austauschs auszuprobieren. „Die Veranstaltung des Berliner Wasserrats hat bewiesen, dass der direkte, persönliche Austausch zwischen aktiven Bürgerinnen und Bürgern sowie Politikern und Verwaltungsfachleuten wertvolle Erkenntnisse und Anregungen für alle Beteiligten erbringen kann. Der Wasserrat muss allerdings, um seine Potentiale dauerhaft und in vollem Umfang entfalten zu können, von Seiten der Politik mit bestimmten Rechten ausgestattet werden, u.a. mit speziellen Informations- und Antragsrechten.“

Gerlinde Schermer, M.d.A.a.D. und Mitbegründerin des Berliner Wassertischs, zog folgendes Fazit: „Die große Beteiligung an der Veranstaltung des Berliner Wasserrats zeigt, dass viele BerlinerInnen, einschließlich Berliner Politiker, Verwaltungsfachleute und anderer Akteure ernsthaft nach Lösungswegen suchen, um die seit Jahren andauernde schlechte Lebenssituation der Berliner Bäume zu verbessern. Alle wissen: Die Bäume verschaffen ihnen nicht nur den nötigen Sauerstoff, sondern erhalten auch die Biodiversität und die ästhetische Qualität Berlins.“

Der BERLINER WASSERTISCH schlägt den Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhaus vor, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der aktiven Berliner Bürgerschaft und den Akteuren der Siedlungswasserwirtschaft zu bilden, welche die ausschließliche Aufgabe erhält, praktische Vorschläge u.a. zur Novellierung von Wassergesetz, Bauordnung und Abwassersatzung (inkl. Prämien- und Gebührengrundlagen) zu erarbeiten.


Freunde der Wassertafel an der Oder aktiv

Am 28. Juli 2022 wurden erstmalig im polnischen Oppeln tote Fische in der Oder gefunden. Es passierte daraufhin zunächst einmal gar nichts, ausser dass sich das Fischsterben ausweitete. Auf deutscher Seite wurden am 10.08. grosse Mengen von verendetem Fisch gefunden. Angler hatten sie bemerkt und alarmierten Polizei und Behörden. Die Landrätin des Kreises Uckermark erklärte am 12.08. gegenüber dem Tagesspiegel, dass sie erst wenige Tage zuvor über „inoffizielle Kanäle“ von der sich anbahnenden Katastrophe erfahren habe. Es ist also festzuhalten: Es gibt kein Überwachungssystem, welches das Auftreten giftiger Substanzen in der Oder registrieren würde – tonnenweise toter Fisch sind hier der erste Anzeiger. Eine suffiziente Kontrolle von Betrieben, die ihre Abwässer in die Oder einleiten, ein Monitoring etwa der Gesamtheit von Schadstoffen im Ökosystem Fluss, findet nicht statt. Tritt eine solche Katastrophe auf, werden flussabwärts gelegene Regionen nicht davon in Kenntnis gesetzt. 

Jetzt, Ende August 2022, gibt es erste Hypothesen zu den Ursachen des massenhaften Sterbens von Fischen und anderen Lebewesen in der Oder. Das Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei IGB in Berlin geht davon aus, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt. Die Oder leidet in diesem Sommer, der die geringsten Niederschläge innerhalb der vergangenen 500 Jahre gebracht hat, unter extremem Niedrigwasser. Zu den fehlenden Niederschlägen kommen die erhöhten Temperaturen, die mehr Wasser verdunsten lassen. Unter erhöhten Temperaturen steigt die Stoffwechselrate der Fische, so dass sie anfälliger für äussere Stressoren werden. Daneben wurden stark erhöhte Quecksilberwerte im Oderwasser gemessen, welche pathogen für jedes Lebewesen sind. Eine grosse Rolle soll spielen, dass die Oder auf polnischer Seite ausgebaggert wird, um die Fahrrinne zu vertiefen und den Fluss so beschiffbar zu halten. Im Sediment haben sich Schadstoffe abgelagert, die aufgewirbelt werden und sich erneut im Wasser lösen. Und schliesslich wurden stark erhöhte Salzfrachten im Oderwasser bestimmt, die durch Bergwerke eingeleitet wurden. Der erhöhte Salzgehalt schliesslich hat zu einem übermässigen Wachstum einer Algenart geführt, welche wiederum für Lebewesen toxische Stoffe produziert.

Während sich ein Ursachenkomplex somit bereits abzeichnet, passiert von Seiten der Politik bisher wenig. Naturschützer und Anwohner auf beiden Seiten der Oder warnen: Ein Fluss, der ausschliesslich als Abwasserkanal und als Schnellstrasse für den Schiffsverkehr betrachtet wird, kann darin lebenden Organismen keine gesunde Perspektive bieten. Sie fordern die polnischen und deutschen Politiker auf, schnell und nachhaltig Massnahmen zu ergreifen, die die Oder in ein lebendiges Ökosystem zurück verwandeln. Während einer ersten gemeinsamen Veranstaltung tauchten sie die Oder in blutrotes Licht, um zu zeigen, wie verletzt der Fluss ist. 

Zur Verfolgung der aktuellen Entwicklungen empfiehlt sich ein Besuch der Webseite der BI SAVE.ODER.DIE .

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Pressemitteilung BI Grünheide/VNLB (Download)

Die Wassertafel trifft Umweltsenatorin Jarasch

Am 15.08.2022 konnten wir eine Einladung der Umweltsenatorin Bettina Jarasch wahrnehmen, die als Reaktion auf unseren Offenen Brief, den wir am 09.12.2021 symbolisch vor dem Roten Rathaus überreicht hatten, erfolgte. Vertreter der Blue Community, des Berliner Wasserrats, der Grünen Liga, der Wassertafel, von Gemeinwohl in BürgerInnenhand und weiterer Initiativen trugen während eines einstündigen Gesprächs ihre Anregungen, Vorschläge und Sorgen vor. Dies waren u.a. der Wunsch nach mehr Trinkwasserbrunnen in der Stadt und genügend kostenfreien Toiletten, die Abkehr von der Idee, Regenwasser als „Abfall“ zu behandeln, der Vorschlag, bei Neubauten und Grundsanierungen von Häusern zwei Leitungssysteme zu installieren, so dass Wasser und Energie mehrfach genutzt werden könnten, die Forderung, sich um Kleingewässer zu kümmern und auch das Wassersparen in Schulen publik zu machen. All diese Vorschläge stiessen bei der Senatorin auf offene Ohren und sie betonte, dass sie das Engagement unserer Gruppen schätze – sie selbst war ja einst auch in solchen aktiv. Die Warnung der Wassertafel, dass auch bei modernster Abwasserbehandlung durch nicht zu klärende Stoffe eine Belastung des Berliner Trinkwassers drohe, wenn Klärwasser von Industrie und Gewerbe künftig VOR dem Müggelsee in die Spree eingeleitet würde, nahm die Senatorin ernst. Sie verneinte jedoch die Möglichkeit einer Einflussnahme auf den Standort eines Klärwerks und damit auf den Ort, an dem Teslas und die Abwässer weiterer Industrie und Gewerbes in die Spree eingeleitet werden. Dagegen sagte sie zu, sich bei der Abwassereinleitung „für die Einhaltung allerhöchster Umweltstandards“ einsetzen zu wollen. Da die Wassertafel Berlin-Brandenburg hiermit zumindest seitens des Landesamtes für Umwelt Brandenburg sehr schlechte Erfahrungen hat, wird sie sich mit dieser Zusage nicht zufrieden geben, sondern ein echtes Eingreifen der Senatorin zum Schutz des Berliner Trinkwassers fordern.

Mit allen anwesenden Gruppen vereinbarte die Senatorin, in der Zukunft regelmässige Treffen sowohl auf der „Arbeitsebene“ als auch mit ihr durchzuführen, bei denen wir unsere Fachkompetenz  zum Nutzen des Berliner Trinkwassers einbringen könnten.

Offener Brief an die Senatskanzlei (Download)Offener Brief an die Umweltsenatorin Jarasch (Download)

Die Wassertafel spricht beim 1,5° Festival

Vom 17.-19.06.2022 fand in der Kulturmühle in Lietzen das 1,5° Festival statt. Es gab Konzerte und Workshops, es wurden Theaterstücke aufgeführt und man konnte sich auch zum Thema informieren. Zu einer Podiumsdiskussion waren Gäste aus Politik, Wissenschaft und auch Teilnehmer eingeladen, die Wasser benötigen oder es schützen wollen:

 

Axel Vogel, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz in Brandenburg

Christiane Schröder, Geschäftsführerin des NABU Brandenburge.V.

Jens Schreinicke, Landesbauernverband Brandenburg e.V., Vorstand des Kreisbauernverband PM

Turgut Pencerci, Landeswasserverbandstag Brandenburg e.V

Prof. Dr. Christoph Merz, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.

Ulrike von Wiesenau, Wasserrechtsaktivistin, Pressesprecherin der Wassertafel Berlin-Brandenburg

 

Ulrike von Wiesenau bezeichnete es für die Wassertafel als einen Fehler, in einer der wasserärmsten Regionen Deutschlands mit Tesla einen Wassergrosskonsumenten angesiedelt zu haben. Sie forderte das Umweltamt auf, Tesla im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft klare Auflagen, wie geschlossene Wasserkreisläufe zu machen und eine Einleitung von Abwässern in die Müggelspree zu untersagen.

Sie warf der Politik Blauäugigkeit gegenüber dem Investor vor.

Leider hatte Umweltminister Axel Vogel wegen einer Erkrankung seine Teilnahme abgesagt und auch keine Vertretung geschickt.

 

 

 


Partner der Wassertafel: Blue Community in Berlin

Im Rathaus Charlottenburg fand am 30.05.2022 eine Ausstellungseröffnung zur Blue Community Berlin statt. Prominenter Ehrengast war Maude Barlow, die Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Die Wassertafel Berlin-Brandenburg nutzte die Gelegenheit, auf die Probleme, die die Ansiedlung Teslas für unser Trinkwasser kreieren, aufmerksam zu machen und überreichte der anwesenden Umweltsenatorin Bettina Jarasch ihren diesbezüglichen Forderungskatalog. Diese Forderungen umfassen hauptsächlich die Einrichtung eines geschlossenen Wasserkreislaufs zur Einschränkung des Wasserverbrauchs in einer der trockensten Regionen Deutschlands, ein valides Monitoring des Untergrundes zum Schutz vor Kontaminationen des Grundwassers im Wasserschutzgebiet mit Gefahrenstoffen und ein Verbot der Einleitung industrieller Abwässer in Spree und Müggelsee. In einer Periode sich zuspitzender Wasserknappheit nimmt die Wassertafel die Verantwortung der Bürger wahr, sich politisch einzumischen und für das Lebensrecht auf sauberes Trinkwasser in hinreichender Menge zu kämpfen.

Die Beiträge der Veranstaltung sind abzurufen unter http://bluecommunityberlin.de

Mehr Informationen

Rede von Maude Barlow (Download)

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Die Wassertafel spricht mit Künstlern und Wissenschaftlern

In Grünheide leisten Bürger seit 2 1/2 Jahren Widerstand gegen den Bau der Gigafactory Teslas, während die verantwortlichen Politiker in Land und Bund dem reichsten Mann der Welt den roten Teppich ausrollen.

Die Veranstaltung am 05.05.2022 „Am Pfefferberg“ in Prenzlauer Berg hatte sich das lachende „Does this seem like a desert to you?“ Elon Musks auf die Frage nach der Wasserarmut der Region zum Anlass genommen, um die durch Tesla verschärfte Wasserproblematik zu thematisieren.

 

Die Künstlerin Caroline Breidenbach zeigte in einem Videobeitrag, wie durch Privatisierung von  Wassernutzungsrechten, wie sie auch in Berlin-Brandenburg diskutiert und teilweise verwirklicht wurden, im globalen Süden Krankheit und Not entstehen. Der Titel ihres Beitrages lautete: „Ihre Gegenwart ist unsere Zukunft“.

Anna Lena Kronsbein vom Leibnitz-Institut IGB verwies auf die Gefährdungen des Trinkwassers, die durch die Ansiedlung von Grossindustrie im Berliner Südosten mit seinen geohydrologischen Besonderheiten, seiner Wasserarmut und den grossen Wasserschutzgebieten und Strukturen der Berliner Wasserbetriebe entstehen können.

Heidemarie Schroeder von der Wassertafel Berlin-Brandenburg zeigte an konkreten Beispielen des Tesla-Projektes, wie eine Gefährdung des Trinkwassers der Berliner und Brandenburger nicht erst unsere Zukunft, sondern bereits unsere Gegenwart geworden ist.

 

Die von Anna Lena Kronsbein präsentierten Grafiken zeigen neben anderem die topografische Beziehung der Tesla Bauwerke zu Spree und Müggelsee mit den Uferfiltrationsgalerien der Berliner Wasserbetriebe und die Belastung der Erpe, über die das Klärwerk Münchehofe Abwasser in die Spree einleitet, u.a. mit Korrosionsschutzmitteln. Der Einsatz von Korrosionsschutzmitteln wie Benzotriazol ist auch im Teslawerk zu erwarten. Eine ausführliche Darstellung der Einschätzung des IGB ist auf dessen Webseite zu finden.

Die abgebildeten Fotos der Veranstaltung stammen aus der Kamera Erik Tschernows.

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Die Wassertafel demonstriert am Weltwassertag

Zum Weltwassertag, dem 22.03.2022, hatte die Wassertafel Berlin-Brandenburg zusammen mit der Bürgerinitiative Grünheide zu einer Demonstration aufgerufen. Am gleichen Tag feierte Tesla die Auslieferung seiner ersten in Grünheide erzeugten Fahrzeuge. Wir liefen vom Bahnhof Fangschleuse bis zum Teslagelände, wo eine Kundgebung mit vielen Rednern stattfand. Etwa 100 Menschen aus verschiedenen Regionen der Erde nahmen teil. Obwohl die Sonne schien, waren die äusseren Bedingungen nicht optimal: Wir durften nicht die Strasse benutzen sondern wurden auf Waldwegen „versteckt“ und Einsatzwagen der Polizei blockierten die Sicht auf unsere Transparente. Dennoch verbuchen wir unsere Aktion als vollen Erfolg. Während Robert Habeck bei Tesla erklärte, jedes E-Auto vermindere die Abhängigkeit von (russischem) Öl und Gas, rechneten wir vor, dass die Beschleunigung eines Tesla-Y von 130 kmh auf 260 kmh eine Vervierfachung seines Energieverbrauchs bedeutet. Während Elon Musk über die Wasserproblematik lachte, belegten wir die Gefährdung des Trinkwassers der Berliner und Brandenburger. TeilnehmerInnen aus Nord-, Mittel- und Südamerika berichteten, wie die Extraktion von Nickel, welches für die Batterien von E-Autos benötigt wird, ihr Wasser verseucht, ihre Heimat zerstört und sogar ihr Leben bedroht. Eine Teilnehmerin  aus Guatemala zitierte  eine Betroffene, dass diese keine Umweltheroin sein wolle, dass sie auch unseren „technischen Fortschritt“ nicht wolle, dass sie nur mit ihrer Familie in Frieden an ihren Lagunen leben wolle. Diese Lagunen und dieses Leben würde für Nickel, wie Tesla es benötige, zerstört.

 

Die Zeitung „Junge Welt“ berichtet von den Orten, an denen am 22.03.2022, dem „Weltwassertag“ und gleichzeitig „Delivery Day“ Teslas, entweder gefeiert oder -weit ungeduldiger als durch uns- demonstriert wurde:

„Die Politprominenz übte derweil den Bückling: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundesklimaminister Robert Habeck (Grüne) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hielten am Dienstag hymnische Kurzreden beim offiziellen Produktionsstart der ersten europäischen Tesla-Fabrik in Grünheide.“

„Aktivisten von »Sand im Getriebe« und »Aktion autofrei« blockierten während der Feier der Musk-Fanboys die Zufahrten zum Gelände, andere seilten sich an umliegenden Autobahnbrücken ab.“

 

Der link zum ganzen Artikel:

https://www.jungewelt.de/artikel/423139.us-elektroautobauer-giga-gaga-in-gr%C3%BCnheide.html

Mehr Informationen

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